Wie Vernetzung die Transformation voranbringt – Handelsblatt changement! Magazin 05/2019

Der folgende Artikel erschien zuerst in Heft 5 / 2019 des Handelsblatt changement! Magazin. Danke an Jan Weilbacher für die Veröffentlichung. Ganz unten als PDF-Download.

Wie Vernetzung die Transformation voranbringt

Lukas Fütterer

Jede Veränderung braucht Menschen, die sie tragen und vorantreiben. Das gilt auch für Daimler. Deshalb gibt es in dem Automobilkonzern seit einigen Jahren die Initiative DigitalLife@Daimler. Ein Fokus ist dabei das Thema Mitarbeitervernetzung – sowohl on- als auch offline.

Ein Unternehmen wie Daimler ist, mit knapp 300.000 Mitarbeitern, immer auch ein „soziales und lebendiges Netzwerk”. Die Expertise jedes Einzelnen ist wertvoll und das Wissen des Unternehmens nur einen Klick entfernt. Schnelle Kommunikation und Zusammenarbeit werden immer wichtiger. Unser Ziel: Mitarbeiter nachhaltig verbinden, um deren Erfahrungsschätze und Kompetenzen zu nutzen. DigitalLife@Daimler treibt digitale Themen geschäftsfeldübergreifend voran und initiiert Projekte zur digitalen Transformation. Einer der vier Schwerpunkte ist dabei das Thema Mitarbeitervernetzung, das im Social Intranet unter dem Hashtag #collaborate die Agilität und Innovationskraft des Unternehmens vorantreibt. Hierfür setzen wir auf digitale Technologien (Toolset), auf Methodenentwicklung und Befähigung (Skillset) sowie auf die Förderung des richtigen und offenen Mindsets.


Ein Netzwerk für 300.000


Gemeinsam mit unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Unternehmenskommunikation und IT haben wir ein neues, digitales und konzernweites Netzwerk realisiert: das Daimler Social Intranet. Das Social Intranet hat unser klassisches Intranet, unser Enterprise Social Network (ESN) und ein Portal für Applikationen abgelöst. Es verbindet die Dimensionen Kommunikation, Information und Zusammenarbeit auf einer Startseite. Mit diesem Tool sind wir technologisch für den digitalen Transformationsprozess bestens aufgestellt: offen, hierarchieübergreifend und cross-funktional. Das Social Intranet steht allen Mitarbeitenden weltweit zur Verfügung und verbessert die effektive Kommunikation sowie die effiziente digitale Zusammenarbeit. Bereits in der einjährigen Beta-Phase war das Social Intranet für alle Mitarbeitenden offen zugänglich und konnte so durch das Feedback der ersten User besonders nutzerfreundlich gestaltet werden. Unsere Mitarbeitenden können hier dialogorientiert und auf Augenhöhe kommunizieren, das heißt, jede und jeder kann als Autor aktiv werden und Beiträge veröffentlichen – vom CEO bis zur Mitarbeiterin in der Entwicklung. Außerdem können alle Nutzer mit nur drei Klicks Gruppen und Communities erstellen. Das breitgefächerte Angebot der „App-Station“ reicht vom Zugang zum Speiseplan über Wissensdatenbanken und Projektplattformen bis zur Reisekostenabrechnung. Wir schätzen außerdem die sensorische Dynamik des Social Intranets, wodurch aktuelle Themen schnell aufgespürt und sichtbar werden. Entscheidend für den Erfolg war dabei der frühe Aufbau unseres Multiplikatoren-Netzwerks „netWork“, um die Transformation der Arbeitswelt greifbar zu machen sowie Kollegen und Kolleginnen an allen Standorten in ihren digitalen Prozessen zu unterstützen. Die „netWorker“ tragen selbstorganisiert mit Knowhow und Begeisterung unsere Themen weiter und unterstützen die Kollegen an allen Standorten. Gemeinsam bringen sie mit uns den Wandel in jeden Winkel des Konzerns. Und darüber hinaus.

Räume virtuell gestalten

Unsere Communities im Social Intranet bilden die komplette Themenvielfalt unseres Konzerns ab und reichen vom Team-Workspace in der Entwicklung über volkswirtschaftliche Analysen bis hin zum Lauftreff in der Mittagspause und Künstliche Intelligenz. Das Community Management ist zentral, wenn es darum geht, neue Formen der Kommunikation, der Zusammenarbeit, des Lernens und der Führung für den Konzern zu nutzen. Community Manager haben Schlüsselrollen in unserem Social Intranet inne, bauen dort virtuelle Räume über Standorte und Geschäftsbereiche hinweg auf und unterstützen die Mitarbeiter aktiv in der Nutzung der Plattform. Sie übernehmen Verantwortung, um die Communities mit Leben zu füllen, sorgen dafür, dass virtuelle Arbeitsräume effizient organisiert und sowohl für ihre Mitglieder als auch für das Unternehmen nützlich und wertvoll sind. Community Manager steigern die Effizienz, indem sie beispielsweise Arbeitsprozesse von der analogen Welt in Netzwerke verlagern und weiter optimieren. Beispielsweise finden Dokumentation und Verbreitung von Wissen und Informationen online statt, was den Aufwand minimiert und Arbeit transparenter gestaltet. Aus diesen Gründen bilden wir Community Manager im Unternehmen aus und beteiligen sie an der Weiterentwicklung unseres Social Intranets. Im Rahmen von Community-Manager-Qualifizierungen erarbeiten die jeweiligen Teilnehmer ihre Lösungen selbst und teilen diese anschließend offen im Netzwerk. Der Kompetenzaufbau erfolgt damit gemeinsam, wird praxisnah eingeübt und das Können weiterverbreitet. Das Community Management trägt so dazu bei, Daimlers Wettbewerbsfähigkeit weiter zu stärken und auch in Zukunft den Kunden innovative Produkte und Services zu bieten.


Haltung zeigen und Arbeit sichtbar machen


Den Aufbau zielgerichteter Netzwerke kann man lernen – in nur zwölf Wochen mit drei bis vier Kollegen und/oder Kolleginnen sowie einer strukturierten Anleitung. Die Methode „Working Out Loud” (WOL) ist Haltung und Lernmethode zugleich. WOL befähigt Mitarbeitende zur vernetzten Zusammenarbeit, indem die eigene Arbeit für Kollegen und Kolleginnen transparent und sichtbar gemacht wird. WOL setzt beim Menschen an und stellt seine Bedürfnisse in einer vernetzten Arbeitswelt in den Mittelpunkt. Die eigene Arbeit im Unternehmen sichtbar zu machen stellt einen wesentlichen Beitrag für die Gemeinschaft dar und ermöglicht es uns, voneinander zu lernen. Wir haben bereits Anfang 2016 die strategische Relevanz erkannt und angefangen, diese von John Stepper in den USA entwickelte Lernmethode für uns zu nutzen. In sogenannten „Circles” arbeiten jeweils vier bis fünf Kollegen zwölf Wochen lang auf individuelle Ziele hin und entwickeln nebenbei digitale Kompetenzen und Einstellungen.


Toolset, Skillset, Mindset


Der digitale Transformationsprozess betrifft alle Bereiche eines Unternehmens. Mit verschiedenen Enabling- und Trainingsformaten fördern wir die Vernetzungskompetenz unserer Mitarbeitenden. Durch diese Formate wird der Dreiklang von Toolset, Mindset und Skillset in den Arbeitsalltag integriert. Unterschiedliche Online- und Offline-Formate ermöglichen ortsunabhängiges, individuelles Lernen. Wir wollen Menschen dort erreichen, wo sie sich aufhalten und weiterentwickeln möchten: Mit Roadshows gehen wir in die Werke, beim DigitalLife Day treffen sich über 1.000 digital affine Mitarbeitende an einem Ort, in Webinaren und Online- Tutorials ist Lernen 24/7 zeit- und ortsunanhängig möglich und in interaktiven Workshops können Wissen vertieft sowie konkrete Problemstellungen gemeinsam gelöst werden. Unser Reverse-Mentoring-Programm bringt beispielsweise digital affine junge Mitarbeitende und erfahrene Führungskräfte zusammen und fördert so den generationen- und hierarchieübergreifenden Austausch zum Aufbau digitaler Fähigkeiten.


Lessons learned


Vernetztes Arbeiten kann nicht von einigen wenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zentral vorgegeben und im Konzern verbreitet werden. Das Thema braucht engagierte Botschafter und Mitstreiter, um gemeinsam die Arbeit zu verändern. Aktuell sind mehrere hundert Multiplikatoren weltweit aktiv und treiben mit viel Begeisterung den Transformationsprozess voran. Mit vielfältigen Aktivitäten und Angeboten wollen wir alle Kolleginnen und Kollegen mit auf den Weg der Digitalisierung nehmen. Das Lernen von- sowie miteinander steht beim vernetzten Arbeiten im Fokus. Das leben wir im Konzern und darüber hinaus. Ende 2018 fand sogar die erste unternehmensübergreifende Working-Out-Loud-Konferenz mit je rund 200 Mitarbeitenden von Bosch und Daimler statt. Denn: Im Netzwerk sind wir schneller und erzielen bessere Ergebnisse.

Direktlink zur Datenbank owlit von Handelsblatt Fachmedien: https://research.owlit.de/document/900579cd-0a51-3079-b1c6-933809d8dd0e?searchId=132748900 

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